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Computer
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Ein Computer, auch Rechner genannt, ist ein Apparat, der Informationen
mit Hilfe einer programmierbaren Rechenvorschrift verarbeiten kann. Der
englische Begriff computer, abgeleitet vom Verb to compute (rechnen),
bezeichnete ursprünglich Menschen, die zumeist langwierige Berechnungen
vornahmen, zum Beispiel für Astronomen im Mittelalter. In der Namensgebung
des 1946 der Öffentlichkeit vorgestellten Electronic Numerical Integrator
and Computer (kurz ENIAC) taucht erstmals das Wort als Namensbestandteil
auf. In der Folge etablierte sich Computer als Gattungsbegriff für
diese neuartigen Maschinen.
Zunächst war die Informationsverarbeitung mit Computern auf die
Verarbeitung von Zahlen beschränkt. Mit zunehmender Leistungsfähigkeit
eröffneten sich neue Einsatzbereiche. Computer sind heute in allen
Bereichen des täglichen Lebens vorzufinden: Sie dienen der Verarbeitung
und Ausgabe von Informationen in Wirtschaft und Behörden, der Berechnung
der Statik von Bauwerken bis hin zur Steuerung von Waschmaschinen und
Automobilen. Die leistungsfähigsten Computer werden eingesetzt, um
komplexe Vorgänge zu simulieren: Beispiele sind die Klimaforschung,
thermodynamische Fragestellungen, medizinische Berechnungen bis
hin zu militärischen Aufgaben, zum Beispiel der Simulation des Einsatzes
von nuklearen Waffen. Viele Geräte des Alltags, vom Telefon über
den Videorekorder bis hin zur Münzprüfung in Warenautomaten,
werden heute von integrierten Kleinstcomputern gesteuert (eingebettetes
System).
Grundlagen
Grundsätzlich unterscheiden sich zwei Bauweisen: Ein Computer ist
ein Digitalcomputer, wenn er mit digitalen Geräteeinheiten digitale
Daten verarbeitet; er ist ein Analogcomputer, wenn er mit analogen Geräteeinheiten
analoge Daten verarbeitet.
Bis auf wenige Ausnahmen werden heute fast ausschließlich Digitalcomputer
eingesetzt. Diese folgen gemeinsamen Grundprinzipien, mit denen ihre freie
Programmierung ermöglicht wird. Bei einem Digitalcomputer werden
dabei zwei grundsätzliche Bausteine unterschieden: Die Hardware,
die aus den elektronischen, physisch anfassbaren Teilen des Computers
gebildet wird, sowie die Software, die die Programmierung des Computers
beschreibt.
Ein Digitalcomputer besteht zunächst nur aus Hardware. Die Hardware
stellt erstens einen so genannten Speicher bereit, in dem Daten wie in
Schubladen gespeichert und jederzeit zur Verarbeitung oder Ausgabe abgerufen
werden können. Zweitens verfügt das Rechenwerk der Hardware
über grundlegende Bausteine für eine freie Programmierung, mit
denen jede beliebige Verarbeitungslogik für Daten dargestellt werden
kann: Diese Bausteine sind im Prinzip die Berechnung, der Vergleich, und
der bedingte Sprung. Ein Digitalcomputer kann beispielsweise zwei Zahlen
addieren, das Ergebnis mit einer dritten Zahl vergleichen und dann abhängig
vom Ergebnis entweder an der einen oder der anderen Stelle des Programms
fortfahren. In der Informatik wird dieses Modell theoretisch durch die
Turing-Maschine abgebildet; die Turing-Maschine stellt die grundsätzlichen
Überlegungen zur Berechenbarkeit dar.
Erst durch eine Software wird der Digitalcomputer jedoch nützlich.
Jede Software ist im Prinzip eine definierte, funktionale Anordnung der
oben geschilderten Bausteine Berechnung, Vergleich und Bedingter Sprung,
wobei die Bausteine beliebig oft verwendet werden können. Diese Anordnung
der Bausteine, die als Programm bezeichnet wird, wird in Form von Daten
im Speicher des Computers abgelegt. Von dort kann sie von der Hardware
ausgelesen und abgearbeitet werden. Dieses Funktionsprinzip der Digitalcomputer
hat sich seit seinen Ursprüngen in der Mitte des 20. Jahrhunderts
nicht wesentlich verändert, wenngleich die Details der Technologie
erheblich verbessert wurden.
Analogrechner funktionieren jedoch nach einem anderen Prinzip. Bei ihnen
ersetzen analoge Bauelemente (Verstärker, Kondensatoren) die Logikprogrammierung.
Analogrechner wurden früher häufiger zur Simulation von Regelvorgängen
eingesetzt (siehe: Regelungstechnik), sind heute aber fast vollständig
von Digitalcomputern verdrängt worden.
Hardwarearchitektur
Das heute allgemein angewandte Prinzip, das nach seiner Beschreibung
durch John von Neumann von 1946 als Von-Neumann-Architektur
bezeichnet wird, definiert für einen Computer fünf Hauptkomponenten:
* die Recheneinheit (Arithmetisch-Logische Einheit (ALU)),
* die Steuereinheit,
* die Buseinheit
* den Speicher und
* die Eingabe- und Ausgabeeinheit(en).
In den heutigen Computern sind die ALU und die Steuereinheit meistens
zu einem Baustein verschmolzen, der so genannten CPU (Central Processing
Unit, zentraler Prozessor).
Der Speicher ist eine Anzahl von durchnummerierten Zellen;
jede von ihnen kann ein kleines Stück Information aufnehmen. Diese
Information wird als Binärzahl, also einer Abfolge von ja/nein-Informationen,
in der Speicherzelle abgelegt besser vorzustellen als eine Folge
von Nullen und Einsen. Ein Charakteristikum der Von Neumann-Architektur
ist, dass diese Binärzahl (beispielsweise 01000001, was der Dezimalzahl
65 entspricht) entweder ein Teil der Daten sein kann (also zum Beispiel
der Buchstabe A), oder ein Befehl für die CPU (Springe
...).
Wesentlich in der Von-Neumann-Architektur ist, dass sich Programm und
Daten einen Speicherbereich teilen (dabei belegen die Daten in aller Regel
den unteren und die Programme den oberen Speicherbereich).
Dem gegenüber stehen in der sog. Harvard-Architektur Daten und Programmen
eigene (physikalisch getrennte) Speicherbereiche zur Verfügung, dadurch
können Daten-Schreiboperationen keine Programme überschreiben.
In der Von-Neumann-Architektur ist die Steuereinheit dafür zuständig,
zu wissen, was sich an welcher Stelle im Speicher befindet. Man kann sich
das so vorstellen, dass die Steuereinheit einen Zeiger auf
eine bestimmte Speicherzelle hat, in der der nächste Befehl steht,
den sie auszuführen hat. Sie liest diesen aus dem Speicher aus, erkennt
zum Beispiel 65, erkennt dies als Springe. Dann
geht sie zur nächsten Speicherzelle, weil sie wissen muss, wohin
sie springen soll. Sie liest auch diesen Wert aus, und interpretiert die
Zahl als Nummer (so genannte Adresse) einer Speicherzelle. Dann setzt
sie den Zeiger auf eben diese Speicherzelle, um dort wiederum ihren nächsten
Befehl auszulesen; der Sprung ist vollzogen. Wenn der Befehl zum Beispiel
statt Springe lauten würde Lies Wert, dann
würde sie nicht den Programmzeiger verändern, sondern aus der
in der Folge angegebenen Adresse einfach den Inhalt auslesen, um ihn dann
beispielsweise an die ALU weiterzuleiten.
Die ALU hat die Aufgabe, Werte aus Speicherzellen zu kombinieren. Sie
bekommt die Werte von der Steuereinheit geliefert, verrechnet sie (addiert
beispielsweise zwei Zahlen, welche die Steuereinheit aus zwei Speicherzellen
ausgelesen hat) und gibt den Wert an die Steuereinheit zurück, die
den Wert dann für einen Vergleich verwenden oder wieder in eine dritte
Speicherzelle zurückschreiben kann.
Die Ein-/Ausgabeeinheiten schließlich sind dafür zuständig,
die initialen Programme in die Speicherzellen einzugeben und dem Benutzer
die Ergebnisse der Berechnung anzuzeigen.
Softwarearchitektur
Die Von-Neumann-Architektur ist gewissermaßen die unterste Ebene
des Funktionsprinzips eines Computers oberhalb der elektrophysikalischen
Vorgänge in den Leiterbahnen. Die ersten Computer wurden auch tatsächlich
so programmiert, dass man die Nummern von Befehlen und von bestimmten
Speicherzellen so, wie es das Programm erforderte, nacheinander in die
einzelnen Speicherzellen schrieb. Um diesen Aufwand zu reduzieren, wurden
Programmiersprachen entwickelt. Diese generieren die Zahlen innerhalb
der Speicherzellen, die der Computer letztlich als Programm abarbeitet,
aus höheren Strukturen heraus automatisch.
Später wurden bestimmte sich wiederholende Prozeduren in so genannten
Bibliotheken zusammengefasst, um nicht jedes Mal das Rad neu erfinden
zu müssen, z. B. das Interpretieren einer gedrückten Tastaturtaste
als Buchstabe A und damit als Zahl 65 (im ASCII-Code).
Die Bibliotheken wurden in übergeordneten Bibliotheken gebündelt,
welche Unterfunktionen zu komplexen Operationen verknüpfen (Beispiel:
die Anzeige eines Buchstabens A, bestehend aus 20 einzelnen
schwarzen und 50 einzelnen weißen Punkten auf dem Bildschirm, nachdem
der Benutzer die Taste A gedrückt hat).
In einem modernen Computer arbeiten sehr viele dieser Programmebenen
über- bzw. untereinander. Komplexere Aufgaben werden in Unteraufgaben
zerlegt, die von anderen Programmierern bereits bearbeitet wurden, die
wiederum auf die Vorarbeit weiterer Programmierer aufbauen, deren Bibliotheken
sie verwenden. Auf der untersten Ebene findet sich aber immer der so genannte
Maschinencode jene Abfolge von Zahlen, mit der der Computer auch
tatsächlich gesteuert wird.
Während früher eine CPU nur mit diesem Maschinencode gesteuert
werden konnte, sind inzwischen auch CPUs programmierbar und damit kleine
eigenständige Computer.
Herstellungsbedingungen
Die Arbeitsbedingungen, unter denen Computer hergestellt werden, blieben
in der Vergangenheit vielfach der Öffentlichkeit verborgen. Die meisten
großen Computerfirmen lassen ihre Rechner von Partnerfirmen in Ländern
wie China, Taiwan oder Indonesien bauen. Vielfach sind die Arbeitsbedingungen
dort miserabel. Eine Initiative der Nichtregierungsorganisation Weed unter
dem Namen PC global hat sich zum Ziel gesetzt, Missstände
bei der Computerherstellung aufzudecken.
Geschichte
Die Computertechnologie entwickelte sich im Vergleich zu anderen Elektrogeräten
sehr schnell. Die Entwicklungsgeschichte des Computers (zu deutsch Rechner)
reicht zurück bis in die Antike und ist damit wesentlich länger
als die Geschichte der modernen Computertechnologien und mechanischen
oder elektrischen Hilfsmitteln (Rechenmaschinen oder Hardware). Sie umfasst
dabei auch die Entwicklung von Rechenmethoden, die etwa für einfache
Schreibgeräte auf Papier und Tafeln entwickelt wurden. Im folgenden
wird entsprechend versucht, einen Überblick über diese Entwicklungen
zu geben.
Zahlen als Grundlage der Computergeschichte
Das Konzept der Zahlen lässt sich auf keine konkreten Wurzeln zurückführen
und hat sich wahrscheinlich mit den ersten Notwendigkeiten der Kommunikation
zwischen zwei Individuen entwickelt. Entsprechend findet man in allen
bekannten Sprachen mindestens für die Zahlen eins und zwei und auch
in der Kommunikation von vielen Tierarten (etwa verschiedener Primaten,
aber auch Vögeln wie der Amsel) lässt sich die Möglichkeit
der Unterscheidung unterschiedlicher Mengen von Gegenständen feststellen.
Die Weiterentwicklung dieser einfachen numerischen Systeme führte
wahrscheinlich zur Entdeckung der ersten mathematischen Rechenoperation
wie der Addition, der Subtraktion, der Multiplikation und der Division
oder auch der Quadratzahlen und der Quadratwurzel. Diese Operationen wurden
formalisiert (in Formeln dargestellt) und dadurch überprüfbar.
Daraus entwickelten sich dann weiterführende Betrachtungen, etwa
die von Euklid entwickelte Darstellung des größten gemeinsamen
Teilers.
Im Mittelalter erreichte das Arabische Zahlensystem Europa und erlaubte
eine größere Systematisierung bei der Arbeit mit Zahlen. Die
Möglichkeiten erlaubten die Darstellung von Zahlen, Ausdrücke
und Formeln auf Papier und die Tabellierung von mathematischen Funktionen
wie etwa der Quadratwurzeln oder des einfachen Logarithmus sowie der Trigonometrie.
Zur Zeit der Arbeiten von Isaac Newton war Papier und Velin eine bedeutende
Ressource für Rechenaufgaben und ist dies bis in die heutige Zeit
geblieben, in der Forscher wie Enrico Fermi seitenweise Papier mit mathematischen
Berechnungen füllten und Richard Feynman jeden mathematischen Schritt
mit der Hand bis zur Lösung berechnete, obwohl es zu seiner Zeit
bereits programmierbare Rechner gab.
Frühe Entwicklung von Rechenmaschinen und -hilfsmitteln
Die Entwicklung mechanischer Rechenhilfen
Das früheste Gerät, das in rudimentären Ansätzen
mit einem heutigen Computer vergleichbar ist, ist der Abakus, eine mechanische
Rechenhilfe, die vermutlich um 1100 v. Chr. im indo-chinesischen Kulturraum
erfunden wurde. Der Abakus wurde bis ins 17. Jahrhundert benutzt und dann
von den ersten Rechenmaschinen ersetzt. Einem ähnlichen Zweck diente
auch das Rechenbrett des Pythagoras. Ebenfalls zu den frühen Rechenmaschinen
gehört die Balkenwaage, die allerdings keinen numerischen Ansatz
bietet sondern mit deren Hilfe versucht werden soll, beidseitig einer
gemeinsamen Aufhängung eine Gleichheit des Gewichtes zu erreichen.
Bereits im 1. Jh. v. Chr. wurde mit dem Computer von Antikythera die
erste Rechenmaschine erfunden. Das Gerät diente vermutlich für
astronomische Berechnungen und funktionierte mit einem Differentialgetriebe,
einer erst im 13. Jahrhundert wiederentdeckten Technik.
Mit dem Untergang der Antike kam der technische Fortschritt zum Stillstand
und in den Zeiten der Völkerwanderung ging viel Wissen verloren (so
beispielsweise auch der Computer von Antikythera, der erst 1902 wiederentdeckt
wurde). Das Mittelalter schließlich hemmte den technischen Fortschritt.
Doch ab der Neuzeit begann sich der Motor des technischen Fortschritts
wieder langsam zu drehen und beschleunigte fortan - und dies tut er bis
heute.
1614 publizierte John Napier seine Logarithmentafel und 1623 baute Wilhelm
Schickard die erste Vier-Spezies-Maschine und damit den ersten mechanischen
Rechner der Neuzeit, wodurch er bis heute zum Vater der Computerära
wurde. Seine Konstruktion basierte auf dem Zusammenspiel von Zahnrädern,
die im wesentlichen aus dem Bereich der Uhrmacherkunst stammten und dort
genutzt wurden, wodurch seine Maschine den Namen rechnende Uhr
erhielt. Praktisch angewendet wurde die Maschine von Johannes Kepler bei
seinen astronomischen Berechnungen.
1642 folgte Blaise Pascal mit seiner Rechenmaschine, der Pascaline. 1668
entwickelte Samuel Morland eine Rechenmaschine, die erstmals nicht dezimal
addierte, sondern auf das englische Geldsystem abgestimmt war. 1673 baute
Gottfried Wilhelm Leibniz seine erste Vier-Spezies-Maschine und erfand
1703 das binäre Zahlensystem (Dualsystem), das später die Grundlage
für die Digitalrechner und darauf aufbauend die digitale Revolution
wurde.
1805 entwickelte Joseph-Marie Jacquard Lochkarten, um Webstühle
zu steuern. 1820 baute Charles Xavier Thomas de Colmar das Arithmometer,
den ersten Rechner, der in Massenproduktion hergestellt wurde und somit
den Computer für Großunternehmen erschwinglich machte. Charles
Babbage entwickelte von 1820 bis 1822 die Differenzmaschine (engl. Difference
Engine) und 1833 die Analytical Engine, konnte sie aber aus Geldmangel
nicht bauen. 1843 bauten Edvard und George Scheutz in Stockholm den ersten
mechanischen Computer nach den Ideen von Babbage. Im gleichen Jahr entwickelte
Ada Lovelace eine Methode zur Programmierung von Computern nach dem Babbage-System
und schrieb damit das erste Computerprogramm. 1890 wurde die US-Volkszählung
mit Hilfe des Lochkartensystems von Herman Hollerith durchgeführt.
Im gleichen Jahr baute Torres y Quevedo eine Schachmaschine, die mit König
und Turm einen König matt setzen konnte, und somit den ersten Spielcomputer.
Mechanische Rechner wie die darauf folgenden Addierer, der Comptometer,
der Monroe-Kalkulator, die Curta und der Addo-X wurden bis in die 1970er
Jahre genutzt. Anders als Leibniz nutzten die meisten Rechner das Dezimalsystem,
das technisch schwieriger umzusetzen war. Dies galt sowohl für die
Rechner von Charles Babbage um 1800 wie auch für den ENIAC von 1945,
den ersten elektronischen Universalrechner überhaupt.
Der Siegeszug des elektronischen Digitalrechners
Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des zweiten Weltkrieges
1935 stellten IBM die IBM 601 vor, eine Lochkartenmaschine, die eine
Multiplikation pro Sekunde durchführen konnte. Es wurden ca. 1500
Exemplare verkauft. 1937 meldete Konrad Zuse zwei Patente an, die bereits
alle Elemente der so genannten Von-Neumann-Architektur beschreiben. Im
gleichen Jahr baute John Atanasoff zusammen mit dem Doktoranden Clifford
Berry einen der ersten Digitalrechner, den Atanasoff-Berry-Computer und
Alan Turing publizierte einen Artikel, der die Turing-Maschine, ein abstraktes
Modell zur Definition des Algorithmusbegriffs, beschreibt.
1938 stellte Konrad Zuse die Zuse Z1 fertig, einen frei programmierbaren
mechanischen Rechner, der allerdings aufgrund von Problemen mit der Fertigungspräzision
nie voll funktionstüchtig war. Die Z1 verfügte bereits über
Gleitkommarechnung. Sie wurde im Krieg zerstört und später nach
Originalplänen neu gefertigt, die Teile wurden auf modernen Fräs-
und Drehbänken hergestellt. Dieser Nachbau der Z1, welcher im Deutschen
Technik Museum in Berlin steht, ist mechanisch voll funktionsfähig
und hat eine Rechengeschwindigkeit von 1 Hz, vollzieht also eine Rechenoperation
pro Sekunde. Ebenfalls 1938 publizierte Claude Shannon einen Artikel darüber,
wie man symbolische Logik mit Relais implementieren kann. (Lit.: Shannon
1938)
Während des Zweiten Weltkrieges gab Alan Turing die entscheidenden
Hinweise zur Entschlüsselung der ENIGMA-Codes und baute dafür
einen speziellen mechanischen Rechner, Turing-Bombe genannt. Ebenfalls
im Krieg (1941) baute Konrad Zuse die erste funktionstüchtige programmgesteuerte,
binäre Rechenmaschine, bestehend aus einer großen Zahl von
Relais, die Zuse Z3 [1]. Die Z3 war turingmächtig und damit außerdem
die erste Maschine, die im Rahmen des verfügbaren Speicherplatzes
beliebige Algorithmen automatisch ausführen konnte. Aufgrund
dieser Eigenschaften wird sie oft als erster funktionsfähiger Computer
der Geschichte betrachtet. Zeitgleich wurden auch in den USA unabhängig
davon elektronische Maschinen zur numerischen Berechnung gebaut, die allerdings
nicht turingmächtig waren. Auch Maschinen auf analoger Basis wurden
erstellt. Auf das Jahr 1943 wird auch die angeblich von IBM-Chef Thomas
J. Watson stammende Aussage Ich glaube, es gibt einen weltweiten
Bedarf an vielleicht fünf Computern. datiert. Im gleichen Jahr
stellte Tommy Flowers mit seinem Team in Bletchley Park den ersten Colossus
fertig. 1944 erfolgte die Fertigstellung des ASCC (Automatic Sequence
Controlled Computer, Mark I durch Howard H. Aiken) und das
Team um Reinold Weber stellte eine Entschlüsselungsmaschine für
das Verschlüsselungsgerät M-209 der US-Streitkräfte fertig
[2].
Eigenschaften der ersten fünf Digitalrechner Modell Land Inbetriebnahme
Binär Elektronisch Programmierbar Turingmächtig
Zuse Z3 Deutschland Mai 1941 Ja Nein Ja, durch Lochstreifen Ja
Atanasoff-Berry-Computer USA Sommer 1941 Ja Ja Nein Nein
Colossus UK 1943 Ja Ja Teilweise, durch Neuverkabelung Nein
Mark I USA 1944 Nein Nein Ja, durch Lochstreifen Nein
ENIAC USA 1944 Nein Ja Teilweise, durch Neuverkabelung Ja
1948 Nein Ja Ja, durch eine Matrix aus Widerständen Ja
Nachkriegszeit
Das Ende des Zweiten Weltkriegs erlaubte es, dass Europäer und Amerikaner
von ihren Fortschritten gegenseitig wieder Kenntnis erlangten. 1946 wurde
der Electronical Numerical Integrator and Computer (ENIAC) unter der Leitung
von John Eckert und John Mauchly entwickelt. ENIAC ist der erste elektronische
digitale Universalrechner. 1947 baute IBM den Selective Sequence Electronic
Calculator (SSEC), einen Hybridcomputer mit Röhren und mechanischen
Relais und die Association for Computing Machinery (ACM) wurde als erste
wissenschaftliche Gesellschaft für Informatik gegründet. Im
gleichen Jahr wurde auch der Transistor erfunden, der heute aus der modernen
Technik nicht mehr weggedacht werden kann. Die maßgeblich an der
Erfindung beteiligten William B. Shockley, John Bardeen und Walter Brattain
erhielten 1956 den Nobelpreis für Physik. In die späten 1940er
Jahre fällt auch der Bau des Electronic Discrete Variable Automatic
Computer (EDVAC), der erstmals die Von-Neumann-Architektur implementierte.
1949 stellte Edmund C. Berkeley, Begründer der ACM, mit Simon
den ersten digitalen, programmierbaren Computer für den Heimgebrauch
vor. Er bestand aus 50 Relais und wurde in Gestalt von Bauplänen
vertrieben, von denen in den ersten zehn Jahren ihrer Verfügbarkeit
über 400 Exemplare verkauft wurden. Im selben Jahr stellte Maurice
Wilkes mit seinem Team in Cambridge den Electronic Delay Storage Automatic
Calculator (EDSAC) vor; basierend auf John von Neumanns EDVAC ist es der
erste Rechner, der vollständig speicherprogrammierbar war. Ebenfalls
1949 stellte Steve Kolberg die Zuse Z4 fertig, deren Bau schon 1942 begonnen
wurde und 1944 in wesentlichen Teilen abgeschlossen war, aber kriegsbedingt
nicht fertiggestellt werden konnte. 1950 wurde die Z4 von der Firma Zuse
KG an die ETH Zürich geliefert und ging dort in Betrieb.
In den 1950er Jahren setzte die Produktion kommerzieller (Serien-)Computer
ein. So baute Remington Rand 1951 ihren ersten kommerziellen Röhrenrechner,
den UNIVersal Automatic Computer I (UNIVAC I) und 1955 Bell Labs für
die US Air Force mit dem TRansistorized Airborne DIgital Computer den
ersten Computer, der komplett mit Transistoren statt Röhren bestückt
war; im gleichen Jahr baute die DDR mit der OPtik-REchen-MAschine
(OPREMA) ihren ersten Computer. 1956 fertigte IBM das erste Magnetplattensystem
(Random Access Method of Accounting and Control (RAMAC)). 1959 begann
Siemens mit der Auslieferung des Siemens 2002, des ersten in Serie gefertigten
und vollständig auf Basis von Transistoren hergestellten Computers.
Computer
1960er
1960 baute IBM den IBM 1401, einen transistorisierten Rechner mit Magnetbandsystem,
und DECs (Digital Equipment Corporation) erster Minicomputer, die PDP-1
(Programmierbarer Datenprozessor) erscheint. 1962 lieferte die Telefunken
AG die ersten TR 4 aus. 1964 baute DEC den Minicomputer PDP-8 für
unter 20.000 Dollar.
1964 definierte IBM die erste Computerarchitektur S/360, womit Rechner
verschiedener Leistungsklassen denselben Code ausführen können
und bei Texas Instruments wird der erste integrierte Schaltkreis
(IC) entwickelt. 1966 erschien mit D4a ein 33bit Auftischrechner der TU
Dresden.
1968 bewarb Hewlett-Packard (HP) den HP-9100A in der Science-Ausgabe
vom 4. Oktober 1968 als personal computer. Im Dezember stellten
Douglas C. Engelbart und William English vom Stanford Research Institute
(SRI) die erste Computermaus vor, mangels sinnvoller Einsatzmöglichkeit
(es gab noch keine grafischen Benutzeroberflächen) interessierte
dies jedoch kaum jemanden.
1970er
Mit der Erfindung des serienmäßig produzierbaren Mikroprozessors
wurden die Computer immer kleiner und leistungsfähiger. Doch noch
wurde das Potential der Computer verkannt. So sagte noch 1977 Ken Olson,
Präsident und Gründer von DEC: Es gibt keinen Grund, warum
jemand einen Computer zu Hause haben wollte.
1971 war es Intel, der mit dem 4004 den ersten in Serie gefertigten Mikroprozessor
baute. Er bestand aus 2250 Transistoren. 1971 lieferte Telefunken den
TR 440 an das Deutsche Rechenzentrum Darmstadt, sowie an die Universitäten
Bochum und München. 1972 ging der Illiac IV, ein Supercomputer mit
Array-Prozessoren, in Betrieb. 1973 erschien mit Xerox Alto der erste
Computer mit Maus, graphischer Benutzeroberfläche (GUI) und eingebauter
Ethernet-Karte; und die französische Firma R2E begann mit der Auslieferung
des Micral. 1974 stellte HP mit dem HP-65 den ersten programmierbaren
Taschenrechner vor und Motorola baute den 6800 Prozessor währenddessen
Intel den 8080 Prozessor fertigte. 1975 begann MITS mit der Auslieferung
des Altair 8800.
1975 Maestro I (Ursprünglich Programm-Entwicklungs-Terminal-System
PET) von Softlab war weltweit die erste Integrierte Entwicklungsumgebung
für Software. Maestro I wurde weltweit 22.000 Mal installiert, davon
6.000 Mal in der Bundesrepublik Deutschland. Maestro I war in den 70-er
und 80-er Jahren führend auf diesem Gebiet.
1976 brachte Apple Computer den Apple I auf den Markt und Zilog entwickelte
den Z80 Prozessor. 1977 kamen der Apple II, der Commodore PET und der
Tandy TRS 80 auf den Markt. 1978 brachte DEC die VAX-11/780, eine Maschine
speziell für virtuelle Speicheradressierung, auf den Markt. 1979
schließlich brachte Atari seine Rechnermodelle 400 und 800 in die
Läden. Revolutionär war, dass mehrere Custom-Chips den Hauptprozessor
entlasteten.
1980er
Die 1980er waren die Blütezeit der Heimcomputer, zunächst mit
8-Bit-Mikroprozessoren und einem Arbeitsspeicher bis 64 kB (Commodore
VC20, C64, Sinclair ZX80/81, Sinclair ZX Spectrum, Schneider CPC 464/664),
später auch leistungsfähigere Modelle mit 16-Bit- oder 16/32-Bit-Mikroprozessoren
(z. B. Amiga, Atari ST). Diese Entwicklung wurde durch IBM in Gang gesetzt,
die 1981 den IBM-PC (Personal Computer) vorstellten und damit entscheidend
die weitere Entwicklung bestimmten.
1982 brachte Intel den 80286-Prozessor auf den Markt und Sun Microsystems
entwickelte die Sun-1 Workstation. 1984 wurde der Apple Macintosh gebaut
und setzte neue Maßstäbe für Benutzerfreundlichkeit. Im
Januar 1985 stellte Atari den ST-Computer auf der Consumer Electronics
Show (CES) in Las Vegas vor. Im Juli produzierte Commodore den ersten
Amiga-Heimcomputer. 1986 brachte Intel den 80386-Prozessor auf den Markt,
1989 den 80486. Ebenfalls 1986 präsentierte Motorola den 68030-Prozessor.
1988 stellte NeXT mit Steve Jobs, Mitgründer von Apple, den gleichnamigen
Computer vor.
1990er
Die 1990er sind das Jahrzehnt des Internets und des World Wide Web. (Siehe
auch Geschichte des Internets, Chronologie des Internets) 1991 spezifierte
das AIM-Konsortium (Apple, IBM, Motorola) die PowerPC-Plattform. 1992
stellte DEC die ersten Systeme mit dem 64-Bit-Alpha-Prozessor vor. 1993
brachte Intel den Pentium-Prozessor auf den Markt, 1995 den Pentium Pro.
1994 stellte Leonard Adleman mit dem TT-100 den ersten Prototypen für
einen DNA-Computer vor, im Jahr darauf Be Incorporated die BeBox. 1999
baute Intel den Supercomputer ASCI Red mit 9.472 Prozessoren und AMD stellte
den Nachfolger der K6-Prozessorfamilie vor, den Athlon.
Entwicklung im 21. Jahrhundert
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Computer sowohl in beruflichen wie
privaten Bereichen allgegenwärtig und allgemein akzeptiert. Während
die Leistungsfähigkeit in klassischen Anwendungsbereichen weiter
gesteigert wird, werden digitale Rechner unter anderem in die Telekommunikation
und Bildbearbeitung integriert. 2001 baute IBM den Supercomputer ASCI
White und 2002 ging der NEC Earth Simulator in Betrieb. 2003 lieferte
Apple den PowerMac G5 aus, den ersten Computer mit 64-Bit-Prozessoren
für den Massenmarkt. AMD zog mit dem Opteron und dem Athlon 64 nach.
2005 produzierten AMD und Intel erste Dual-Core Prozessoren, 2006 doppelte
Intel mit den ersten Core 2 Quad-Prozessoren nach.
Zukunftsperspektiven
Zukünftige Entwicklungen bestehen aus der möglichen Nutzung
biologischer Systeme (Biocomputer), optischer Signalverarbeitung und neuen
physikalischen Modellen (Quantencomputer). Weitere Verknüpfungen
zwischen biologischer und technischer Informationsverarbeitung. Auf der
anderen Seite nimmt man langsam Abstand von nicht realisierten Trends
der letzten 20 Jahre, Expertensysteme und Künstliche Intelligenzen,
die ein Bewusstsein entwickeln, sich selbst verbessern oder gar rekonstruieren,
zu erforschen.
Für weitere Entwicklungen und Trends, von denen viele noch den Charakter
von Schlagwörtern bzw. Hypes haben, siehe Autonomic Computing (=
Rechnerautonomie), Grid Computing, Pervasive Computing, Ubiquitäres
Computing (= Rechnerallgegenwart) und Wearable Computing.
Artikel Computer. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 4. Mai 2007, 22:35 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Computer&oldid=31373942
(Abgerufen: 7. Mai 2007, 13:07 UTC) |