Fotografie
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Als Fotografie oder Photographie (aus altgr. Licht [der Himmelskörper],
Helligkeit und malen, schreiben) bezeichnet
man:
* ein technisches Verfahren, bei dem mit Hilfe von optischen Verfahren
ein Lichtbild auf ein lichtempfindliches Medium projiziert und dort direkt
dauerhaft gespeichert wird (analoges Verfahren) bzw. in elektronische
Daten gewandelt und dann gespeichert wird (digitales Verfahren);
* das dauerhafte Lichtbild (umgangssprachlich kurz Foto genannt, auch
Abzug, Vergrößerung oder Ausbelichtung), das durch fotografische
Verfahren hergestellt wird; dabei kann es sich entweder um ein Positiv
oder ein Negativ handeln.
Definition
Der Begriff Fotografie (ursprünglich Photographie) stammt aus dem
Griechischen und bedeutet wörtlich mit Licht eingeritzt/einritzen
von griech. photos: Licht und graphein: einritzen. Als Fotografie bezeichnete
man bis ins 20. Jahrhundert alle Bilder, welche rein durch Licht auf einer
chemisch behandelten Oberfläche entstehen.
Die Fotografie ist ein Medium, das in sehr verschiedenen Zusammenhängen
eingesetzt wird. Fotografische Abbildungen können beispielsweise
Gegenstände mit primär künstlerischem (Künstlerische
Fotografie) oder primär kommerziellem Charakter sein (Industriefotografie,
Werbe- und Modefotografie). Die Fotografie kann unter künstlerischen,
technischen (Fototechnik), ökonomischen (Fotowirtschaft) und gesellschaftlich-sozialen
(Amateur-, Arbeiter- und Dokumentarfotografie) Aspekten betrachtet werden.
Des Weiteren werden Fotografien auch im Journalismus und in der Medizin
verwendet.
Die Fotografie ist teilweise ein Gegenstand der Forschung und Lehre in
der Kunstgeschichte und der noch jungen Bildwissenschaft. Der Kunstcharakter
der Fotografie war lange Zeit umstritten, wird jedoch seit einigen Jahren
zunehmend anerkannt. Einige Forschungsrichtungen ordnen die Fotografie
der Medien- oder Kommunikationswissenschaft zu (zum Beispiel Werner Faulstich),
auch diese Zuordnung ist aber umstritten.
Heutzutage ist mit der Digitalfotografie (oder Fotografie nach der Fotografie)
und anderen fotografieähnlichen Bilderzeugungsmöglichkeiten
eine neue Definitionsdiskussion entbrannt, die wohl noch einige Zeit die
Geister scheiden wird.
Fotografie kann als Ausbildungsberuf (Fotograf), aber auch an Kunstakademien
und Fachhochschulen oder autodidaktisch (Fotodesigner) erlernt werden
(siehe Fotografische Organisationen). Die Fotografie unterliegt dem komplexen
und vielschichtigen Fotorecht; bei der Nutzung von vorhandenen Fotografien
sind die Bildrechte zu beachten.
Die Photographie ist eine wunderbare Entdeckung, eine Wissenschaft,
welche die größten Geister angezogen, eine Kunst, welche die
klügsten Denker angeregt und doch von jedem Dummkopf betrieben
werden kann (Nadar, 1856).
Fototechnik
Prinzipiell wird mit Hilfe eines optischen Systems, des Objektivs, fotografiert.
Dieses projiziert das von einem Objekt ausgesendete oder reflektierte
Licht auf ein lichtempfindliches Medium, beispielsweise die lichtempfindliche
Schicht eines Films, und fixiert dieses als (latentes) Abbild darauf.
Fotoapparat
Der fotografischen Aufnahme dient ein Fotoapparat bzw. eine Fotokamera.
Durch Manipulation des optischen Systems (unter anderem die Einstellung
der Blende, Scharfstellung, Farbfilterung, die Wahl der Belichtungszeit,
der Objektivbrennweite, der Beleuchtung und nicht zuletzt des Aufnahmematerials)
stehen dem Fotografen zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten offen.
Als vielseitigste Fotoapparatbauform hat sich sowohl im Analog- als auch
Digitalbereich die Spiegelreflexkamera durchgesetzt, allerdings werden
für viele Aufgaben weiterhin die verschiedensten Spezialkameras benötigt
und eingesetzt.
Lichtempfindliche Schicht
Bei der herkömmlichen Fotografie (Analogfotografie, Silber-Fotografie)
ist die lichtempfindliche Schicht auf der Bildebene eine Dispersion (im
allgemeinen Sprachgebrauch Emulsion). Sie besteht aus einem Gel, in dem
gleichmäßig kleine Körnchen eines Silberhalogenids (zum
Beispiel Silberbromid) verteilt sind. Je kleiner diese Körnchen sind,
umso weniger lichtempfindlich ist die Schicht (siehe ISO 5800), umso besser
ist allerdings die Auflösung (Korn). Dieser lichtempfindlichen
Schicht wird durch einen Träger Stabilität verliehen. Trägermaterialien:
Zelluloseacetat, früher Zellulosenitrat (Zelluloid), Kunststofffolien,
Metallplatten, Glasplatten, Textilien (siehe Film).
Bei der Digitalfotografie besteht das Äquivalent der lichtempfindlichen
Schicht aus Chips wie CCD- oder CMOS-Sensoren.
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Entwicklung und Fixierung
Durch das Entwickeln wird auf chemischem Wege das latente Bild sichtbar
gemacht. Beim Fixieren werden die nicht belichteten Silberhalogenid-Körnchen
wasserlöslich gemacht und anschließend mit Wasser herausgewaschen,
so dass ein Bild auch bei Tageslicht betrachtet werden kann, ohne dass
es nachdunkelt.
Ein weiteres älteres Verfahren ist das Staubverfahren, mit dem sich
einbrennbare Bilder auf Glas und Porzellan herstellen lassen.
Ein digitales Bild muss nicht entwickelt werden; es wird elektronisch
gespeichert und kann anschließend mit der elektronischen Bildbearbeitung
am Computer bearbeitet und bei Bedarf auf Fotopapier ausbelichtet oder
beispielsweise mit einem Tintenstrahldrucker ausgedruckt werden.
Geschichte der Fotografie
13. Jahrhundert
Der Name Kamera leitet sich vom Vorläufer der Fotografie, der Camera
obscura (Dunkle Kammer) ab, die bereits seit dem 11. Jahrhundert
bekannt war und Ende des 13. Jahrhunderts von Astronomen zur Sonnenbeobachtung
eingesetzt wurde. Anstelle einer Linse weist diese Kamera nur ein kleines
Loch auf, durch das die Lichtstrahlen auf eine Projektionsfläche
fallen, von der das (auf dem Kopf stehende) Bild abgezeichnet werden kann.
In Edinburgh und Greenwich bei London sind begehbare, raumgroße
Camerae obscurae eine Touristenattraktion.
16. - 17. Jahrhundert
Ein Durchbruch ist 1550 die Erfindung der Linse, mit der hellere und
gleichzeitig schärfere Bilder erzeugt werden können. 1685: Ablenkspiegel,
ein Abbild kann so auf Papier gezeichnet werden.
18. Jahrhundert: Vorläufer und Vorgeschichte
Siehe auch Laterna magica, Panorama und Diorama. Chemiker wie Humphry
Davy begannen bereits, lichtempfindliche Stoffe zu untersuchen und nach
Fixiermitteln zu suchen.
19. Jahrhundert: Die frühen Verfahren
Die erste Fotografie wurde 1826 durch Joseph Nicéphore Niépce
hergestellt. 1837 benutzte Louis Jacques Mandé Daguerre ein besseres
Verfahren, das auf der Entwicklung der Fotos mit Hilfe von Quecksilber-Dämpfen
und anschließender Fixierung in einer heißen Kochsalzlösung
oder einer normal temperierten Natriumthiosulfatlösung beruhte. Die
auf diese Weise hergestellten Bilder, allesamt Unikate auf versilberten
Kupferplatten, nannte man Daguerreotypien. Bereits 1835 erfand der Engländer
William Fox Talbot das Negativ-Positiv-Verfahren. Auch heute werden noch
manche der historischen Verfahren als Edeldruckverfahren in der Bildenden
Kunst und künstlerischen Fotografie verwendet.
Im Jahr 1883 erschien in der bedeutenden Leipziger Wochenzeitschrift
Illustrirte Zeitung das erste gerasterte Foto (Autotypie) in einem deutschen
Presseorgan.
20. Jahrhundert: Die Formate werden kleiner
Fotografien konnten zunächst nur als Unikate hergestellt werden,
mit der Einführung des Negativ-Positiv-Verfahrens war auch eine Vervielfältigung
im Kontaktverfahren möglich. Die Größe des fertigen Fotos
entsprach in beiden Fällen dem Aufnahmeformat, was in der Regel sehr
große, unhandliche Kameras erforderte. Mit dem Rollfilm und insbesondere
der von Oskar Barnack bei Leica entwickelten und 1924 eingeführten
Kleinbildkamera, die den herkömmlichen 35-mm-Kinofilm verwendete,
entstanden völlig neue Möglichkeiten für eine mobile, schnelle
Fotografie. Obwohl, durch das kleine Format bedingt, zusätzliche
Geräte zur Vergrößerung erforderlich wurden, und die Bildqualität
mit den großen Formaten bei weitem nicht mithalten konnte, setzte
sich das Kleinbild in den meisten Bereichen der Fotografie als Standardformat
durch.
Ende des 20. Jahrhunderts: Einführung der Digitalfotografie
Die erste CCD (Charge-coupled Device) Still-Video-Kamera wurde 1970 von
Bell konstruiert und 1972 melden Texas Instruments das erste Patent auf
eine filmlose Kamera an, welche einen Fernsehbildschirm als Sucher verwendet.
1973 produzierte Fairchild Imaging das erste kommerzielle CCD mit einer
Auflösung von 100 x 100 Pixel.
Dieses CCD wurde 1975 in der ersten funktionstüchtigen digitalen
Kamera von Kodak benutzt. Entwickelt hat sie der Erfinder Steven Sasson.
Diese Kamera wog 3,6 Kilogramm, war größer als ein Toaster
und benötigte noch 23 Sekunden, um ein Schwarzweiß-Bild mit
100x100 Pixeln Auflösung auf eine digitale Magnetbandkassette zu
übertragen; um das Bild auf einem Bildschirm sichtbar zu machen,
bedurfte es weiterer 23 Sekunden.
1986 stellte Canon mit der RC-701 die erste kommerziell erhältliche
Still-Video-Kamera mit magnetischer Aufzeichnung der Bilddaten vor, Minolta
präsentierte den Still Video Back SVB-90 für die Minolta 9000;
durch Austausch der Rückwand der Kleinbild-Spiegelreflexkamera wurde
aus der Minolta 9000 eine digitale Spiegelreflexkamera; gespeichert wurden
die Bilddaten auf 2-Zoll-Disketten.
1987 folgten weitere Modelle der RC-Serie von Canon sowie digitale Kameras
von Fujifilm (ES-1), Konica (KC-400) und Sony (MVC-A7AF). 1988 folgte
Nikon mit der QV-1000C und 1990 bzw. 1991 Kodak mit dem DCS-System (Digital
Camera System) sowie Rollei mit dem Digital Scan Pack. Ab Anfang der 1990er
Jahre kann die Digitalfotografie im kommerziellen Bildproduktionsbereich
als eingeführt betrachtet werden.
Die Technik der Digitalen Fotografie revolutionierte auch die Möglichkeiten
der Digitalen Kunst, insbesondere durch die Technik der Fotomanipulation.
Auf der Photokina 2006 scheint die Zeit der Analogkamera endgültig
vorbei zu sein. [1]
Siehe auch: Chronologie der Fotografie, Geschichte der Fotografie, Liste
bedeutender Erfindungen, Edeldruckverfahren
Fotografie als Kunst
Der Kunstcharakter der Fotografie war lange Zeit umstritten; zugespitzt
formuliert der Kunsttheoretiker Karl Pawek in seinem Buch "Das optische
Zeitalter" (Olten / Freiburg i. Br. 1963, S. 58): Der Künstler
erschafft die Wirklichkeit, der Fotograf sieht sie.
Auch der Fotograf Henri Cartier-Bresson, selber als Maler ausgebildet,
sah die Fotografie nicht als Kunstform, sondern als Handwerk: Die
Fotografie ist ein Handwerk. Viele wollen daraus eine Kunst machen, aber
wir sind einfach Handwerker, die ihre Arbeit gut machen müssen.
Gleichzeitig wurden gerade Cartier-Bressons Fotografien sehr früh
in Museen und Kunstausstellungen gezeigt, so z. B. in der MoMa-Retrospektive
(1947) und der Louvre-Ausstellung (1955).
Fotografie wurde bereits früh als Kunst betrieben (Julia Margaret
Cameron, Lewis Carroll und Oscar Gustave Rejlander in den 1860ern). Erstmals
trat die Fotografie in Deutschland in der Werkbund-Ausstellung 1929 in
Stuttgart in beachtenswertem Umfang an die Öffentlichkeit, auch schon
mit internationalen Künstlern wie Edward Weston, Imogen Cunningham
und Man Ray; spätestens seit den MoMa-Ausstellungen von Edward Steichen
(The Family of Man, 1955) und John Szarkowski (1960er) ist Fotografie
als Kunst allgemein anerkannt.
Heute ist Fotografie als vollwertige Kunstform akzeptiert: Indikatoren
dafür sind die wachsende Anzahl von Museen, Sammlungen und Forschungseinrichtungen
für Fotografie, die Zunahme der Professuren für Fotografie sowie
nicht zuletzt der gestiegene Wert von Fotografien in Kunstauktionen und
Sammlerkreisen. Zahlreiche Gebiete haben sich entwickelt, so die Landschafts-,
Akt-, Industrie-, Theaterfotografie u. a. m., die innerhalb der Fotografie
eigene Wirkungsfelder entfaltet haben. Eine besondere Kunstform der Fotografie
sind Schattenbilder, bei denen nur "Schwarz-Weiß-Bilder"
verwendet werden.Dabei wird jedoch trotzdem auf Lichtreflexe geachtet.
Fotografen
Die Fotografie als Objekt der Kunstwissenschaft wurde geprägt durch
herausragende Fotografinnen und Fotografen wie beispielsweise - ohne Wertung
quer durch die Zeit- und Stilgeschichte der Fotografie - W. H. Talbot,
E. S. Curtis, Henri Cartier-Bresson, Ansel Adams, August Sander vor dem
2. Weltkrieg, Otto Steinert, Richard Avedon, Diane Arbus und unzählige
andere bis hin zu "Modernen" wie Helmut Newton, Thomas Ruff,
Jeff Wall und Andreas Gursky. Mit jedem dieser berühmten Fotografen
ist eine bestimmte Zeit, eine bestimmte Auffassung von Fotografie, ein
persönlicher Stil - möglicherweise innerhalb eines bestimmten
Fachgebietes der Fotografie - und eine eigene Thematik verbunden.
Einige Fotografen organisierten sich in Künstlergruppen wie f/64
um Edward Weston in den USA in der ersten Hälfte des 20. Jh. oder
arbeiteten zusammen in Foto- oder Bildagenturen wie Magnum Photos oder
Bilderberg, andere arbeiten dagegen bevorzugt alleine.
Oft sind künstlerisch bekannte Fotografen in ihrem "Brotberuf"
eher unauffällig und durchschnittliche "Handwerker", erst
in ihren freien Arbeiten treten sie mit Ausstellungen oder durch Preisverleihungen
in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Als Beispiel seien nur der
Modefotograf Helmut Newton, der Werbefotograf Reinhart Wolf und der Landschafts-
und Architekturfotograf Robert Häusser genannt: sie wurden mit völlig
anderen Sujets als denen ihrer täglichen Arbeit bekannt, nämlich
Aktfotografie, Food- und Architekturfotografie und mit künstlerischer
eigenwilliger Schwarzweiß-Fotografie.
Die Fotografie ist jedoch keine exklusive Kunstform, sondern wird auch
von zahllosen Amateurfotografen betrieben; die Amateurfotografie ist der
Motor der Fotowirtschaft und Motivation für die Produktion der allermeisten
Bilder, deren Zahl weltweit monatlich in die Milliarden geht.
Artikel Fotografie. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
Bearbeitungsstand: 7. Mai 2007, 08:18 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Fotografie&oldid=31474993
(Abgerufen: 7. Mai 2007, 08:57 UTC)
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