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Schnee
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Schnee ist ein Niederschlag, der aus feinen Eiskristallen besteht.
Kristallbildung
Schnee entsteht, wenn sich in den Wolken feinste Tröpfchen unterkühlten
Wassers an Kristallisationskeimen (zum Beispiel Staubteilchen) anlagern
und dort gefrieren. Dieser Prozess setzt jedoch erst bei Temperaturen
unter -12 °C ein, wobei Wasser in Abwesenheit von Kristallisationsansätzen
bis zu -40 °C flüssig bleiben kann.[1] Die dabei entstehenden
Eiskristalle, weniger als 0,1 mm groß, fallen durch zunehmendes
Gewicht nach unten und wachsen durch den Unterschied des Dampfdrucks zwischen
Eis und unterkühltem Wasser weiter an. Auch resublimiert der in der
Luft enthaltene Wasserdampf, geht also direkt in Eis über und trägt
damit zum Kristallwachstum bei. Es bilden sich die bekannten sechseckigen
Formen aus. Wegen der besonderen Struktur der Wassermoleküle sind
dabei nur Winkel von 60° bzw. 120° möglich.
Die unterschiedlichen Grundformen der Schneekristalle hängen von
der Temperatur ab bei tieferen Temperaturen bilden sich Plättchen
oder Prismen aus, bei höheren Temperaturen sechsarmige Dendriten
(Sterne). Auch die Luftfeuchtigkeit beeinflusst das Kristallwachstum.
Herrscht eine hohe Thermik, so bewegen sich die Kristalle mehrfach vertikal
durch die Atmosphäre, wobei sie teilweise aufgeschmolzen werden und
wieder neu kristallisieren können. Dadurch wird die Regelmäßigkeit
der Kristalle durchbrochen und es bilden sich komplexe Mischformen der
Grundformen aus. Sie weisen eine verblüffend hohe Formenvielfalt
auf, so dass landläufig behauptet wird, es gäbe keine zwei identischen
Schneekristalle. Über 6000 verschiedene Kristallformen wurden 1962
von Bentley und Humphreys gezählt. Wenn sich Schneekristalle bilden,
steigt in der Wolke auch die Temperatur, denn beim Gefrieren geben die
Kristalle Wärme ab, während sie beim Verdampfen Wärme aufnehmen.
Ebenso verblüffend wie die beobachtete Formenvielfalt ist ihre ausgeprägte
Symmetrie, die Schneekristallen eine hohe Selbstähnlichkeit verleiht
und sie zu einem Vorzugsbeispiel der fraktalen Geometrie werden ließ
(Koch-Kurve). Die verschiedenen Verästelungen wachsen in einem Exemplar
stets in derselben Weise und offenbar mit ähnlicher Geschwindigkeit,
auch wenn ihre Spitzen, an denen sie weiter wachsen, oft mehrere Millimeter
auseinander liegen. Ein möglicher Erklärungsversuch, der ohne
Annahme einer Wechselwirkung über diese Entfernung hinweg auskommt,
besteht in dem Hinweis, dass die Wachstumsbedingungen an verschiedenen
vergleichbaren Keimstellen an den Spitzen zu gleichen Zeitpunkten sicherlich
immer recht ähnlich sind.[2]
Die größte Komplexität der Schneekristalle zeigt sich
bei einer hohen Luftfeuchtigkeit, da diese auch noch filigraneren Strukturen
das Wachsen ermöglicht. Bei weniger als -30 °C schneit es meist
nicht mehr, da die Luft dann zu trocken ist, um noch Schneekristalle zu
bilden. Es können allerdings unter Umständen Wolken mit bereits
ausgebildeten Schneekristallen durch Advektion herangeführt werden.
Derartige Schneewolken sind grundsätzlich dunkel, denn je größer
die Wolke, desto größer ist auch die Feuchtigkeit. Somit lässt
die Wolke weniger Licht durch und wird dunkler.
Schneeflocken
Liegt die Lufttemperatur nahe am Gefrierpunkt, so werden die einzelnen
Eiskristalle durch kleine Wassertropfen miteinander verklebt und es entstehen
an einen Wattebausch erinnernde Schneeflocken. In starken Schauern kann
es allerdings auch bei Temperaturen um 5 Grad oder noch etwas darüber
schneien. Andererseits kommt es vor, dass auch bei unter Null Grad Regen
fällt, dann als gefrierender Regen. Für diesen Effekt wird in
manchen Medien der Begriff Blitzeis verwendet. Diese Komponenten hängen
von Struktur und Schichtungsstabilität der oberen und unteren Luftschichten,
von geographischen Einflüssen sowie Wetterelementen wie zum Beispiel
Kaltlufttropfen ab. Bei tiefen Temperaturen bilden sich nur sehr kleine
Flöckchen, der so genannte Schneegriesel.
Schneeflocken enthalten bis zu 95 % Luft, sie haben deswegen eine große
Oberfläche und fallen aufgrund ihres höheren Luftwiderstandes
mit Geschwindigkeiten von etwa 4 km/h verhältnismäßig
langsam zum Vergleich: mittelschwerer Regen fällt mit ca.
20 km/h, Hagel kann noch weitaus höhere Geschwindigkeiten erreichen.
[3]
Auch die weiße Farbe des Schnees liegt darin begründet, dass
der Schnee aus Eiskristallen besteht. Jeder einzelne Kristall ist - wie
Eis als solches - transparent; das Licht aller sichtbaren Wellenlängen
wird an den Grenzflächen zwischen den Eiskristallen und der umgebenden
Luft reflektiert und gestreut. Eine ausreichend große Ansammlung
von Eiskristallen mit zufälliger Lagebeziehung zueinander führt
damit insgesamt zu diffuser Reflexion; Schnee erscheint daher weiß.
Ein ähnlicher Effekt ist beispielsweise auch bei Salz beim Vergleich
von Pulver und größeren Kristallen zu beobachten.
Die größte je gesehene Schneeflocke hatte einen Durchmesser
von zwölf Zentimetern. Meist sind es aber nur fünf Millimeter
bei einem Gewicht von 0,004 Gramm. Je höher die Temperatur wird,
desto größer werden die Flocken. Wird es wärmer, schmelzen
die Kristalle und verkleben zu großen Flocken.
Fällt eine Schneeflocke auf Wasser, dann erzeugt sie aufgrund der
in ihr eingeschlossenen Luftblasen einen schrillen hohen Ton mit einer
Frequenz von 50 bis 200 Kilohertz, der für Menschen allerdings unhörbar
ist.[4]
Schneefall
Schneekristalle, wie auch alle anderen irregulär geformten Objekte,
tendieren dazu, mit ihrer flachesten Seite nach unten zu fallen. Dies
erscheint zunächst unlogisch, weil man ja denken würde, dass
Objekte sich so orientieren müssten, dass sie sich mit dem geringsten
Widerstand durch die Luft bewegen.
Wenn die flache Seite der Schneeflocke exakt parallel zur Fallrichtung
wäre (geringster Widerstand), würde sie auch dort bleiben. Allerdings
ist es sehr wahrscheinlich, dass sie sich während ihres Falles aufgrund
von kleinen Störungen (Turbulenzen) einmal zur Fallrichtung neigt.
Somit erfährt die Schneeflocke aufgrund der sie umströmenden
Luft ein Kräftepaar; wegen der größeren Strömungsgeschwindigkeiten
an den äußeren Enden. Dieses Kräftepaar dreht dann die
Schneeflocke so, dass ihre flache Seite nach unten zeigt (Ebene der größten
Ausdehnung der Flocke normal zur Fallrichtung). Dem selben Mechanismus
folgen ein fallendes Blatt von einem Baum, ein fallengelassenes Blatt
Papier, Rayleighsche Scheibe zur Messung der Schallgeschwindigkeit, etc.
Eine andere Auswirkung von Turbulenzen ist, dass Schneeflocken und andere
Objekte dazu tendieren, einander einzuholen. Ein Schneekristall, der in
die Wirbelzone einer anderen gerät, kann darin schneller fallen,
so dass er mit dieser kollidiert und verklumpt. Der gleiche Effekt wird
von Motorradfahrern genutzt, die im Windschatten fahren, und erlaubt Vögeln
in V-Formationen energetisch günstiger zu fliegen als alleine. Ob
der genannte Effekt der turbulenten Strömung eintritt oder nicht,
hängt vom Objekt und dem Medium ab, in dem es sich bewegt. Beispielsweise
erzeugen Staubkörner in Luft und Stahlkugeln in Honig in der Regel
keine Verwirbelungen.
Schneeschmelze
Schnee schmilzt bei Temperaturen über dem Schmelzpunkt des Wassers,
also bei 0 °C, aber auch durch Sonnenbestrahlung. Hier ist auch Sublimation
möglich, das heißt ein direkter Phasenübergang von Schnee
zu Wasserdampf ohne dass der Schnee schmelzen würde. Je trockener
die Luft ist, umso weniger schmilzt der Schnee, da der übrige Schnee
durch die Sublimationskälte gekühlt wird.
Wegen des hohen Luftgehaltes auch des am Boden verfestigten Schnees bleiben
beim Schmelzen der Schneebedeckung die flächenhaften Überschwemmungen
aus. Das Wasser, das durch Flüsse abtransportiert wird, kann aber
in den Flusstälern zu den bekannten Frühjahrsüberschwemmungen
führen, weil der Schnee aus einer sehr großen Fläche taut
und sich in den relativ schmalen Flussbetten als Wasser sammelt.
Schneearten
Es gibt verschiedene Kriterien, anhand derer man Schnee klassifizieren
kann.
Alter
* Neuschnee ist frisch gefallener Schnee, der nicht älter als drei
Tage ist. Die Eiskristalle sind noch fein verzweigt mit spitzen Zacken.
* Altschnee liegt bereits mindestens drei Tage. Durch Temperatur und Druck
sind die Kristalle weniger stark verästelt und abgerundeter.
* Harsch ist Altschnee, der durch Schmelzen und Gefrieren an der Oberfläche
eine feste, gefrorene Schicht ausgebildet hat, während der Schnee
darunter pulverartig bleibt. Je nach Dicke der harten Schicht kann schon
durch leichte Zusatzbelastungen die Harschdecke durchbrochen werden. Siehe
auch: Harscheisen
* Firnschnee (kurz Firn) ist mindestens ein Jahr alt und hat eine höhere
Dichte (über 0,6 g/cm³). Die feinen Eiskristalle sind durch
wiederkehrendes Auftauen und Gefrieren zu größeren Eisbrocken
verschmolzen. Aus dem Firnschnee können im Laufe der Zeit Gletscher
entstehen. Siehe auch Hauptartikel: Firn
Feuchtigkeit
* Pulverschnee ist trockener Schnee, der auch unter Druck nicht zusammenklebt.
Seine Dichte liegt unter 60 kg/m³. In den amerikanischen Rocky-Mountains
wird er auch als Champagner Powder bezeichnet.
* Feuchtschnee klebt unter Druck zusammen und eignet sich daher besonders
für Schneebälle und Schneemänner, es lässt sich jedoch
kein Wasser herauspressen. Er wird auch Pappschnee genannt, weil er zusammenpappt.
* Nassschnee oder Sulz (auch: Sulzschnee - Adj. sulzig) ist sehr schwer
und nass, er klebt ebenfalls zusammen und man kann Wasser herauspressen.
* Faulschnee ist ein Gemisch aus Wasser und größeren Schneebrocken,
die nicht mehr gut zusammenhalten (Schneematsch).
* An der Temperaturgrenze (Übergang in der Höhe oder bei Wetterumschwüngen)
fällt Schneeregen, das heißt ein Gemisch aus Schnee und Regen.
Farbe
* Blutschnee ist rötlich gefärbter Schnee. Er ist meist hervorgerufen
durch eine Massenentwicklung von Grünalgen (z. B. Chlamydomonas nivalis),
die rote Karotinoide ansammeln. Seltenere Ursache ist das Niedergehen
rötlicher Staubmassen, die von Winden aus Wüstenregionen transportiert
werden.
* Eine ebenfalls durch kryophile (kälteliebende) Schneealgen hervorgerufene
grüne Färbung wurde in Gletschern und arktischen Schneeflächen
entdeckt.
Dichte
Dichte Bezeichnung/ Beschreibung
3050 kg/m³ trockener, lockerer Neuschnee (100 kg sind auf einem
m² ca. 23 m hoch)
50100 kg/m³ gebundener Neuschnee (100 kg sind auf einem m²
ca. 12 m hoch)
100200 kg/m³ stark gebundener Neuschnee (100 kg sind auf einem
m² ca. 0,51 m hoch)
200400 kg/m³ trockener Altschnee (100 kg sind auf einem m²
ca. 2550 cm hoch)
300500 kg/m³ feuchtnasser Altschnee (100 kg sind auf einem
m² ca. 2035 cm hoch)
150300 kg/m³ Schwimmschnee (100 kg sind auf einem m² ca.
3070 cm hoch)
500800 kg/m³ mehrjähriger Firn (100 kg sind auf einem
m² ca. 1220 cm hoch)
800900 kg/m³ Eis (100 kg sind auf einem m² ca. 1112
cm dick)
Auftreten und Ursprung
* Flugschnee ist sehr feiner Schnee, der durch die Wirkung des Windes
in Häuser eindringt.
* Schneeverwehung: ist eine durch Windtransport bedingte Schneeansammlung,
deren Höhe sich deutlich über der eigentlichen Niederschlagsmenge
befinden kann
* Kunstschnee ist künstlich erzeugter Schnee.
Bedeutung
Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt
In Gebieten mit einer gut ausgebildeten Schneedecke wird durch die hellere
Bodenfarbe mehr Wärmestrahlung zurück in die Atmosphäre
reflektiert und der Boden nimmt dementsprechend weniger auf. Nicht zuletzt
muss zum Schmelzvorgang des Schnees die so genannte Schmelzwärme
aufgebracht werden, die dann als Wärmeenergie verloren geht. Durch
die eingeschlossene Luft bildet Schnee auch einen guten Wärmeisolator,
der Pflanzen unter der Schneedecke vor scharfem Frostwind schützt.
Rolle für den Menschen
Für den Menschen spielt der Schnee neben seiner ästhetischen
Bedeutung in seiner Rolle als Metapher für den Winter wirtschaftlich
vor allem in der Freizeitgestaltung und damit auch für den Tourismus
eine wichtige Rolle (siehe auch Wintersport). Vor allem bei Kindern beliebt
ist das Bauen von Schneemännern und das Austragen von Schneeballschlachten.
Eine große Gefahr vor allem für Wintersportler geht von Lawinen
aus, denen in extremen Fällen aber auch schon ganze Dörfer zum
Opfer gefallen sind.
Auch durch Glätte auf Verkehrswegen stellt Schnee eine Gefahr dar
und führt nicht selten zu einem vollständigen Zusammenbruch
des Verkehrsflusses. Nach starken Schneefällen sind Straßen
oft nur noch mit Hilfe von Schneeketten passierbar. Winterräumdienste
sind mit der Beseitigung des Schnees beauftragt, doch ist die Schneeräumung
mittels Schneepflug, Schneefräse, Schneeschaufel oder anderer Hilfsmittel
auch für Privatpersonen eine weit verbreite Beschäftigung in
den Wintermonaten.
Wo der Schnee auf natürliche Weise nicht oder nicht ausreichend
fällt, behilft man sich mit Kunstschnee, der mit Hilfe von Schneekanonen
produziert wird.
Schneeforschung
Geschichte
Die streng hexagonale Struktur von Schneeflocken war im Kaiserreich China
schon mindestens seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. bekannt. Im Abendland
bemerkte diese Eigenschaft erstmals der englische Mathematiker Thomas
Harriot im Jahre 1591, der seine Beobachtung jedoch nicht publizierte.
Arbeiten über die Formelvielfallt der Schneekristalle sind auch von
Johannes Kepler und René Descartes bekannt, doch erste systematische
Untersuchungen unternahm erst Ukichiro Nakaya, der 1936 als Erster synthetische
Schneeflocken herstellen konnte und diese 1954 in über 200 verschiedene
Typen kategorisierte.
Schneemessungen
Messungen der Schneemenge werden mit Hilfe üblicher Regenmesser
durchgeführt, bei denen zum Schutz gegen Verwehungen Schneekreuze
angebracht sind. Die Mächtigkeit der Schneefläche wird mit Schneepegeln
oder Schneesonden bestimmt. Der Zuwachs kann auch mit Ultraschall gemessen
werden. Beim Deutschen Wetterdienst werden die Schneedeckenmächtigkeit
und die Neuschneehöhe täglich um 7:30 Uhr gesetzlicher Zeit
gemessen.
Der Wasseranteil (Wasseräquivalent einer Schneedecke) und die Schneedichte
haben Bedeutung für die Klimatologie und Hydrologie. Auch die Schneegrenze
ist eine wichtige klimatologische Kenngröße. Die Schneegrenze
trennt schneebedeckte und schneefreie Gebiete voneinander.
Rund um den Schnee
* Dass die Eskimos hundert Wörter für "Schnee" haben,
ist ein verbreiteter Irrtum.
* Industrieschnee bezeichnet man lokalen Schneefall, der durch Kraftwerke
und andere Großanlagen verursacht wird.
* Lake effect snow ist ein Wetterphänomen an den Großen Seen
in Nordamerika.
* Große Schneehöhen führen im Wald zu Schneebruch, bei
Gebäuden werden die Schneelasten in der Statik berücksichtigt.
* Schneeblindheit ist eine Schädigung des Auges, die unter anderem
durch Schnee und Sonne verursacht wird.
* Snegurotschka, deutsch Schneemädchen, ist eine russische Märchengestalt.
* Bereits seit dem Spätmittelalter gibt es Schneekugeln, die heute
zumeist in Kinderzimmern zu finden sind.
* Ein schneeflockenähnlicher Kristall ist die Meereisblume.
* Yeti wird der sagenhafte Schneemensch bezeichnet.
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19. Juni 2007, 20:09 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schnee&oldid=33375584
(Abgerufen: 21. Juni 2007, 07:03 UTC)
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